Unfassbares Glück

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Haben Sie Träume? Und was macht Sie glücklich? Wovon träumen Sie?

 

Als Marco Pejrolo unser Regisseur im April gleich beim ersten Treffen uns diese Fragen stellte, hielt ich zunächst einmal die Luft an, denn ich fand es eine sehr persönliche und komplexe Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Jedenfalls habe ich mir auch in den folgenden Tagen immer wieder Gedanken dazu gemacht und mich gefragt, was mich denn glücklich macht und was ich brauche, um glücklich zu sein.

Und dass es keine einfache aber eine ziemlich gute Frage war.

 

Und jetzt stehe ich hier und bin dankbar und sehr stolz, Teil dieses Projekt sein zu dürfen und so viele unglaublich beeindruckende Momente mit so großartigen Menschen erlebt zu haben.

 

Paul, André, Heike, Andreas, Sieglinde, Willi, Flora und Michael: Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, dass Sie mir entgegen gebracht haben, für Ihren Mut, für Ihr Durchhalten und für über sich hinauswachsen.

Sie haben sich auf etwas Neues und Unbekanntes eingelassen, sie haben nicht aufgegeben als es schwierig und richtig herausfordernd wurde. Dankeschön!

 

Nach den Dreharbeiten haben wir uns dann immer wieder darüber unterhalten und sie haben mir rückgemeldet, dass sie sich trotz ihrer Beeinträchtigung akzeptiert gefühlt hatten und „nie das Gefühl, sich verstellen zu müssen.“ Für mich ein sehr schönes Ergebnis, so sollte es eigentlich überall und immer sein. Stattdessen lesen wir in der Langenau Aktuell, dass es Ihr Wunsch ist, dass auch seelisch Kranke und körperlich behinderte Menschen als vollwertige Personen gesehen werden. Ich möchte mir die Frage erlauben, was denn das bedeutet, eine vollwertige Person einer Gesellschaft? Wann bin ich ein vollwertiges Mitglied und was muss ich dafür leisten oder gibt es so etwas wie unterschiedliche Mitgliedsbeiträge? 

Ich möchte gerne auf den Titel des Films, die 21 Sekunden zu sprechen kommen: Wie Sie vielleicht schon gelesen haben, brauchten wir lange vor den Dreharbeiten eine URL für unseren Blog. Und es ist ja nicht einfach heute noch eine freie URL zu finden, die auch noch kreativ, interessant und leicht einprägsam ist. 

21 Sekunden. Die Hausnummer unseres Unterstützungszentrums in der Bahnhofstrasse lautet 21. 

Alle Säugetiere, wir also eingeschlossen, benötigen ab einem Körpergewicht von 5 Kilo im Schnitt alle gleichlang, um die Blase zu entleeren, dann gibt es doch keine Unterschiede mehr. Dann sind wir doch irgendwo gleich-berechtigt.

Der Hutmacher in Alice im Wunderland sagte einmal: „Bin ich etwa verrückt geworden?“, fragte er traurig. „Ich fürchte, ja!“, sagte Alice und weiter: „Aber soll ich dir ein Geheimnis verraten? Das macht die Besten aus!“

Marco, Wilmar, Cristiana, Benni: Es war wie gesucht und gefunden. Ich danke Euch und es war mir eine große Ehre und Freude mit Euch zu arbeiten. Ich habe viel in der Zeit gelernt, zum Beispiel, dass es nicht immer um die großen Träume geht und dass man auch mal Neues und vielleicht unerwartetes ausprobieren und versuchen kann, auch so etwas verrücktes, wie ein Filmprojekt ohne Drehbuch nur mit einer Idee.

 

Ein großes Geheimnis blieb ja bisher, um was es in dem Film geht. Ich kann Ihnen ein bisschen was verraten:

 

Eine Runde aus alten und neuen Bekannten trifft sich zu einer Geburtstagsfeier und da sie ein bisschen viel gefeiert haben, schlafen die Gäste gut gesättigt und angetrunken noch am Tisch ein. 

Hinein geht es in die Träume, in denen alles möglich zu sein scheint. Nun erleben die Protagonisten ihre Träume auf unterschiedliche Art und Weise und nicht jeder Traum ist – wie im echten Leben – in Erfüllung gegangen. Paul hätte sich so sehr gewünscht, als richtiger Polizist in einem echten Streifenwagen Teil der Geschichte zu sein. Nach einigen Telefonaten und einem Besuch auf der Polizeidienststelle in Langenau war klar, dass das aus rechtlichen Gründen so kurzfristig nicht umsetzbar war. 

Und es wird aber auch deutlich, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, mit einem Traum der plötzlich in Erfüllung geht umzugehen und dass auch wie im echten Leben, man sich erst einmal zurecht finden muss.

Mich beeindruckte der Transfer auf das eigene Leben, den wir Alle die Teil des Projekts waren ähnlich erleben durften: 

Wenn etwas anders kommt, als man denkt oder sich gewünscht hätte, es dennoch unerwartet zu etwas besonders Schönem wird und man dies dann auch als das annehmen kann. Das ist Glück.
Und eines steht damit auch fest: Es ist allemal gut, sich immer wieder zu fragen, was Glück für einen selbst bedeutet und was es braucht, um glücklich zu sein.

 

Pure Emotionen also. Schauen Sie in die Gesichter der Schauspieler und sie erleben etwas völlig unerwartetes, etwas völlig beindruckendes. Menschen, wie sie und ich, die mutig sind und uns teilhaben lassen an ihren Träumen.            

 

Einstein sagte einmal: Jeder ist ein Genie! Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist. Und ich ergänze: Lasst euch umgekehrt auch nicht davon abhalten, auf einen Baum zu klettern, nur weil andere euch für einen Fisch halten. Hört nicht auf andere, die euch sagen: Das geht nicht, das kannst du nicht!

Seid Fische, die auf Bäume klettern wollen. Versucht es, aber ärgert euch nicht, wenn ihr zurück in den Bach plumpst und es vergebene Liebesmüh war. Oder wenn euch der Ausblick auf dem Baum nicht so gut gefällt wie in eurer Fantasie.

Solltet ihr aber auf dem Weg erkennen, dass ihr gar keine Fische seid, so wie euch alle immer einzureden versuchten, sondern die besten Baumkletterer der Welt – dann habt ihr eure Leidenschaft gefunden. Hegt und pflegt sie. (Sebastian Fitzeck, Fische die auf Bäume klettern)

 

Wir waren Fische … und der Ausblick war atemberaubend. … vielen Dank!

 

 

Friederike Fröhner an der Premiere, 08. Oktober 2022